Speyer
Binshof-Hotel: Zeugen Jehovas zeigen Interesse
Wenn sie zum Zug kämen, wäre der Binshof kein Hotel mehr, sondern ein Schulungszentrum: Die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas hat der Stadtverwaltung ihr Interesse an dem Gebäudekomplex im nördlichsten Bereich der Speyerer Gemarkung mitgeteilt. Das berichtet Stadt-Sprecherin Janine Friedmann auf Anfrage. Das bedeute aber nicht, dass es dazu tatsächlich kommt: Die Stadt hätte auch weiterhin gerne einen Beherbergungsbetrieb an dieser Stelle und will eine Umnutzung nicht genehmigen.
Der Bebauungsplan „Naherholungsgebiet Im Binsfeld“ sieht laut Stadt für das Grundstück ein Sondergebiet mit der Zweckbestimmung „Hotel“ vor. „An dieser Nutzungsfestlegung möchte die Verwaltung weiterhin festhalten. Der Hotelstandort soll auch in Zukunft als bedeutender Bestandteil der Tourismuswirtschaft der Stadt Speyer erhalten bleiben.“
Stadt will Tourismus
Ein dauerhafter Wegfall des touristischen Betriebs würde nach städtischer Einschätzung für die Domstadt negative wirtschaftliche Auswirkungen nach sich ziehen. „Zudem ist es von großer Bedeutung, die Naherholungsfunktion im nördlichen Stadtbereich von Speyer weiter zu stärken.“ Eine Umnutzung des Gebäudes sei planungsrechtlich nicht zulässig: Zur genehmigten hotelgewerblichen Nutzung gehörten „ständig wechselnde Gäste, die Erholung suchen“. Ein Tagungs- und Fortbildungszentrum für eine Religionsgemeinschaft und somit für einen eingeschränkten Nutzerkreis falle nicht darunter.
Die Zeugen Jehovas kommentieren ihr Interesse und die städtische Reaktion nicht. Ihrem regionalen Sprecher Christoph Zahn zufolge sind sie derzeit „europaweit auf der Suche nach Objekten, die sich als Schulungszentren eignen könnten“. Diese seien nicht zu verwechseln mit ihren Kirchengebäuden, den sogenannten Königreichsälen wie in Speyer in der Iggelheimer Straße. Einen Vollzug bei der Standortsuche könne er noch nicht vermelden, teilt Zahn mit.
Spa als Vor- und Nachteil
Der Eigentümer des Binshofs – ein geschlossener Immobilienfonds mit Sitz in Düsseldorf – möchte sich während des laufenden Vermarktungsprozesses grundsätzlich nicht zu potenziellen Käufern oder Interessenten äußern. Ein Sprecher des Fonds hält sich auf Anfrage der RHEINPFALZ auch zur Anzahl der Interessenten bedeckt. Er versichert allerdings, dass es in Abstimmung mit den Parteien eine Information geben wird, wenn der Gebäudekomplex verkauft ist. Das Hotel zwischen Otterstadt und Speyer steht seit mehr als einem Jahr leer. Die Lindner-Hotelgruppe war zum Jahresende 2023 nach 22 Jahren ausgezogen. Eine Sprecherin hatte den Abschied damals damit begründet, dass sich der Standort nicht wie erhofft entwickelt habe und dass man sich uneins mit dem Eigentümer über nach Meinung von Lindner notwendige Investitionen sei. Der Eigentümer versucht seitdem, das vor rund 30 Jahren eröffnete Gebäude mit 132 Zimmern und Suiten sowie einem 5200 Quadratmeter großen angeschlossenen Spa zu verkaufen.
Warum gestaltet sich dieser Prozess so schwierig? Der Fonds-Sprecher gibt einen Einblick und beantwortet damit diese Frage: „Die Immobilie ist sehr komplex und von der Gebäudestruktur teils kompliziert. Insbesondere der Wellnessbereich ist technisch gesehen sehr anspruchsvoll und auch mit hohen Kosten verbunden“, sagt er. Das Spa steigere zwar grundsätzlich die Attraktivität des Hotels, aber das dahinterstehende wirtschaftliche Risiko werde von Interessenten teilweise gescheut. „Darüber hinaus kommt der Standort für viele große Hotelbetreiber nicht in Frage, sodass der Kreis der Interessenten, die ein solches Projekt angehen würden, bereits eingeschränkt ist“, sagt der Eigentümer-Vertreter. Zum Kaufpreis äußert er sich nicht.