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"A65": Rückblick auf 'ne geile Zeit

Von Laura Estelmann & Yannika Hecht

Aufforderung zum letzten Tanz: Am 22. April ist im "A65" endgültig Schluss. (Foto: A65)

Nach der Eröffnung am 2. Oktober 1998 wurde aus dem “A65” bei Kandel eine Institution. Und jetzt? Ist Schluss. Am 23. April endet eine Disco-Ära.

Wir haben Euch nach Euren schönsten Erinnerungen rund ums “A65” gefragt. Und viele, viele Antworten bekommen. Wir fassen zusammen: Die Liebe, Kurioses, Lieblingskommentare und alles, was uns sonst noch so in Sachen #A65forever untergekommen ist.

Linda Williamson hat ihre Gedanken zum "A65" in Worte gefasst und spricht damit vielen aus der Seele: Für sie fühlte sich die Disco "an wie zu Hause, viele tolle Momente und Erinnerungen hängen an diesem Laden. Man hat Freunde dazu gewonnen, sich verliebt, es gab Streit und auch wieder Versöhnung." Sie beschreibt das Gefühl, "irgendwie richtig an einem Ort zu sein. Mit den richtigen Menschen die tollsten Nächte verbracht. Danke für die schönen Zeiten 'A65'. Danke, dass du ein Zufluchtsort für mich warst. Für immer im Herzen." 

"A65" und die Liebe

Es soll ja mal Zeiten gegeben haben, als Menschen sich noch außerhalb der digitalen Welt kennengelernt haben. Glaubt man kaum? Wir haben den Beweis!

Geschichten wie diese gibt es noch so viel mehr. Wir hätten da noch Jessica Hammer zu bieten.
(Symbolfoto: dpa)

Da wäre auch Michael Weick, der von seinem ersten Diskobesuch mit 16 im Jahr 2009 erzählt. Er endete in einer eineinhalbstündigen "Wanderung" nachts ab 4.30 Uhr durch Schnee und Eiseskälte, mit Frustbier und Schweigen im ewig späten Zug. Aber: "Als alle ausgeschlafen hatten, sprach man von einer geilen Nacht". Und dann war da noch etwas: "Ich weiß bis heute nicht, wer das süße Mädchen war, das von der oberen Plattform immer grinste und mehrfach gewunken hat, ich soll hochkommen. An dem Tag war es so voll, dass ich sie aus den Augen verlor." Der traurige Smiley, den er dazu schickt, ist irgendwie verständlich.

Sehr romantisch finden wir, was Alexandra Schatz uns geschrieben hat.

Auch Lydia Llagostera kann von einer lebensverändernden Erinnerung berichten:
(Foto: Privat)

Lisa Reinheimer hat ihre erste große Liebe im "A65" gefunden. Oder besser gesagt: Davor. Denn es war "3 Freunde müsst ihr sein"-Party. "Wir waren zu zweit, er und seine Kumpels zu viert", erinnert sie sich. Aus "zwei und vier" mach "drei und drei", der Abend war gerettet und "so hat sich das alles ergeben". Beziehung und "A65"-Zeiten sind für sie inzwischen vorbei. An schöne Erlebnisse von damals denkt sie immer noch. Auch mal ganz unromantisch: "Zum Beispiel der Moment, wenn man nach stundenlangem Tanzen in ein Baguette mit der 'A65'-Cocktailsoße beißt und deswegen der glücklichste Mensch der Welt ist, sich seine schmatzenden Freunde anschaut und weiß, dass es ihnen genauso geht. DANKE, 'A65'."

Wir haben aber noch mehr Geschichten zu bieten:

"A65" und die Partys

Gefeiert wurde im "A65", das könnte man wohl so sagen. Lang. Viel. Wild. Bunt. Laut. Carsten Engel erinnert sich sehr gerne daran, "weil das 'A65' bei fast allen Kindern der 90er aus der Pfalz zur Jugend gehört". Sein "A65"-Abend: "'Zwei Floors (meist HipHop und House) und das Schlagerstadel - um Mitternacht dann GATE-Opening, die zwei Dancefloors wurden zu einem großen und alle sind ausgeflippt! Es gab am Automat Wasser mit Koffein für die Fahrer und für alle anderen Wodka-BigPump. Dance Battles auf dem Podest und wer Geld hatte konnte sich eine Lounge leisten.  Danach mit dem Taxi morgens heim und für ALLE Landauer bis an die Shell-Tankstelle - das war am billigsten... den Rest musste man eben laufen!" 

An die Türsteher Mohamet und Ali erinnert sich Nicole Böttcher noch gut, als sie vor 17 Jahren zum ersten Mal das A65 mit Freundin Angela betrat, gern zu den 99-Cent-Partys, "die waren für uns früher der Hit. Jedes Wochenende von Freitag bis Sonntag haben wir Mädels unsere Zeit dort verbracht." 

Noch mehr Erinnerungen gefällig? Durchklicken!

"A65" und die DJs

Das "A65" ist nicht einfach irgendeine Disco. Da sind sich DJ Alex Weick und DJ Muppet einig. "Die Größe, die Bauart, die Lichteffekte ..." Weick versucht, noch mehr Worte zu finden, landet schließlich aber bei einem alleszusammenfassenden "legendär". DJ Muppet, der heute nicht mehr als DJ arbeitet, nennt das "A65" einen "Vorzeigeladen" und ergänzt: "Es ist sicherlich die Disco, in der ich am liebsten aufgelegt habe." Beide haben das "A65" und seine Gäste seit der Eröffnung aus dem DJ-Pult beobachtet. DJ Muppet war viele Jahre als Resident-DJ aktiv, DJ Alex Weick ist es sogar heute noch. "Ich war von Anfang an dabei und spiele am Samstag die letzte Platte", sagt er mit einem weinenden "und noch einem weinenden Auge".

Wer sonntags im "A65" aufgelegt hat, brauchte keine Werbung mehr für sich machen, erzählt Weick. Denn sonntags hatten alle anderen Clubs zu, und die Betreiber damit die Zeit, in Kandel vorbeizuschauen und die DJs dort unter die Lupe zu nehmen. Folgeaufträge waren ihnen sicher. Musiktrends brauchten nicht lange, um in Kandel auf der Tanzfläche anzukommen. "Wenn es neue, manchmal auch verrückte Trends gab, waren dort die ersten Leute, die sie sich gewünscht haben", erinnert sich DJ Alex Weick.

Wenn die Tür des „A65“ für immer geschlossen sein wird, erinnern sich die beiden DJs an viele gute Jahre, an einen mit Herzblut geführten Laden und an das ein oder andere Detail. Für Weick sind das die „legendären Schaumpartys“ und DJ Muppet bleibt die jährliche Kinderdisco in guter Erinnerung: „Das war das Highlight im Jahr. Ein dankbareres Publikum gibt es gar nicht."

 

Ein Mann der ersten Stunde: DJ Alex Weick legte am ersten Tag auf und er tut es am letzten Tag. Foto: Frei

"A65" und die Gründe für das Aus

Die DJs Alex Weick und DJ Muppet haben nicht nur die Veränderungen im "A65" über Jahre hinweg beobachtet, sondern auch die Veränderungen in der gesamten Disco-Szene. Dass das "A65" jetzt geschlossen wird, hat für sie verschiedene Gründe. Beispielsweise habe Musik habe vor vielen Jahren in der Disco noch einen anderen Stellenwert gehabt als heute, sagt Weick. In Zeiten von Smartphones, Internet-Flatrates und Musik-Streaming ist keiner mehr darauf angewiesen, sich vom DJ den neusten Hit zu wünschen.

Das Feier-Verhalten habe sich generell geändert, sagen die beiden. Früher habe man nicht nur für die Musik in die Disco gehen müssen, sondern auch um Menschen zu treffen und um wirklich dabei gewesen zu sein. Das Video oder die Bildergalerie auf Facebook gab es damals einfach noch nicht. Auch das Rauchverbot habe seinen Teil dazu beigetragen, dass der einstige "Vorzeigeladen" heute zu kämpfen hat. DJ Muppet stellt die These auf, dass die Disco-Szene mit dem Rauchverbot nicht nur einen massiven Einbruch erlebt, sondern sich davon nie wieder ganz erholt hat.  Und dann gebe es noch die Festivals als Konkurrenz, sagt Weick. Da seien die Tickets teuer, also werde das Geld gespart, statt es in der Disco auszugeben.

Immer weniger Besucher, verändertes Ausgehverhalten, Rauchverbot und weniger Geld für die Freizeit - auch "A65"-Geschäftsführer Stefan Stöber nennt viele Gründe für das Aus. Außerdem fehlt der Disco die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Gereon Haumann, Präsident des deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Rheinland-Pfalz, zählt Ähnliches auf, wenn es um die erschwerten Rahmenbedingungen für Gastronomiebetriebe geht: “Arbeitsdokumentation, Rauchverbot und Null-Promillegrenze bei Fahranfängern.” 

Dazu passt die Erinnerung von Manuel Wagner. "In den 80ern und 90ern hat man sich nicht via App kennengelernt." Stattdessen haben sich die Leute in der analogen Realität getroffen, "was getrunken, Mädels angesprochen (!)", sie haben getanzt. Und irgendwann "ist man um 4 Uhr verschwitzt nach Haus", erzählt er. "Vielleicht noch gut bedüdelt, aber man hatte einfach einen tollen Abend."  Heute werde daheim "vorgeglüht", die Gäste kämen schon "halb besoffen an der Disko an" und hätten drinnen "in der linken Hand einen Billig-Wodka und in der rechten Hand das Handy". Sein Fazit: "Die Zeiten ändern sich, Punkt. Disko ist eben out." 

"A65" und das Kuriose

Scan von Clubausweis
(Foto: Privat)

Cedric Arz hat uns ein sehr spezielles Erinnerungsdokument zukommen lassen - den alten Antrag auf Clubmitgliedschaft im "A65". Und für alle, die zu faul sind, sich zu bewegen, findet er deutliche Worte: "Mama/Papa als Taxi missbrauchen gab's bei uns damals nicht. Wir sind gelaufen vom Bahnhof Kandel aus nach Anreise aus Karlsruhe mit dem Zug." 

(Symbolfoto: dpa)

Amüsiert hat uns eine sehr nette Geschichte von Angela Gutowski. Sie war mit 16 oder 17 mit einem Bekannten im "A65", der verschiedene Augenfarben hat. "Ich sagte zu ihm, dass er eine Kontaktlinse verloren hat", erzählt sie. Denn jemanden mit einem blauen und einem braunen Auge hatte sie zuvor noch nie gesehen - und farbige Kontaktlinsen waren total angesagt. Falsch gedacht. Darauf nochmal ihr Lieblingsgetränk: "Wenn ich nicht gefahren bin: Ferrari Sprit", was roter Wodka mit Big Pump war. 

(Symbolfoto: dpa)

Andreas Flicker hat sich nach einer Plasmaspende (löblich) im "A65" vier Schoppen Freigetränk (weniger löblich) "neigeleert. Die Folge? Nickerchen auf dem Klo. Die Security hat ihn dann in ein Taxi verfrachtet. Das Schicksal teilt Sonja Schisewski, die ebenfalls auf dem in der Disko wohl nicht ganz stillen Örtchen eingepennt ist. "Das war megapeinlich", schreibt sie über das Von-der-Security-Rausgetragen-werden.

Man kann auch mal ungewöhnlich "stranden" wegen eines "A65"-Besuchs. Shila Baumann hat mit ihrer Begleitung mal eine Limousinenfahrt in den Nachbarclub gewonnen. "Dort saßen wir bis 7 Uhr morgens neben der Putzkolonne fest." Chefs anderer Clubs waren in Frankfurt mit dem Gefährt unterwegs. "Die Limousine musste gefühlte drei Stunden gereinigt werden." 

(Archivfoto: Kunz)

Es braucht viel Zeit, um all diese Erinnerungen, Anekdoten und Geschichten zu sammeln. Aber wie viel Zeit denn jetzt genau?

"A65" und das Ende

In einem Abschied steckt vieles - Schönes, Verbindendes und die Frage: Warum muss das "A65" schließen?  Unser Leser Marcus Wirth fasst zum Abschluss unseres Reports all das zusammen:

"Unser Platz war unter der DJ-Kanzel in der „Future Zone“ im "A65". Zusammen mit vielen bekannten Gesichtern füllten wir jedes Wochenende den Bereich unter dem DJ, denn wir liebevoll Tunnel nannten.  In zahlreichen Veranstaltungen konnte man alle großen Größen der damaligen DJ-Szene live miterleben. Die Veranstalter wussten genau, wie sie die Tanzflächen füllen konnten und gaben sich bis zum Schluss viel Mühe in Planung und Umsetzung. Die Technik des A 65 überzeugte in einer gigantisch kraftvollen Sound- und Lichtanlage, welche bis heute Ihresgleichen sucht. Nicht alleine wegen der Technik, sondern gerade wegen den sozialen Kontakten, dem Kennenlernen und dem Knüpfen von Freundschaften war das "A65" für mich immer ein ganz besonderer Betrieb. Irgendwie kannte man jeden, wenn auch nur vom Sehen. Nun möge man sich streiten darüber, warum in den Jahren danach immer mehr der goldene Schein verblasste. Hatte man sich satt gesehen? War die  Großraumdiskothek aus der Mode gekommen und deswegen nicht mehr im Brennpunkt des Interesses der breiten Masse? Fehlende Gäste machen es dem Betreiber schwer eklatant hohe laufende Kosten wie GEMA-Gebühren und Vergnügungssteuern  zu bezahlen. Die Suche nach Erklärungen hatte am Ende nur eins zufolge, nämlich das Aus meines früheren ,zweiten Wohnzimmers'. Nun darf sich aber keiner darüber beklagen, denn schließlich lag es in unserer eigenen Hand - wir sind ja nicht mehr hin gegangen. "A65" und sein Team, vielen Dank für die unvergesslichen Erinnerungen mit Dir."

Am Abschlusswochenende des "A65" gibt es ein letztes Mal die Chance, Erinnerungen für die Ewigkeit zu sammeln. Am Freitagabend war schon mächtig was los, wie unser Video zeigt. Viele haben sich ja bereits auf unserer Facebook-Seite dafür verabredet. Heute Abend könnt ihr es nochmal richtig krachen lassen - zum Showdown im "A65".

Weitere Informationen zum Abschiedswochenende findet Ihr hier.

Foto: A65



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