Sport Als wäre er nie weg gewesen

Nach 98 Tagen zurück auf dem Rasen: Neymar.
Nach 98 Tagen zurück auf dem Rasen: Neymar.

«LIVERPOOL.» Trotz seines starken Comebacks bleibt Brasiliens Top-Star Neymar zurückhaltend. Sein Trainer Tite warnt nach dem 2:0 am Sonntag im Test gegen Kroatien in Liverpool vor zu großen Erwartungen. Spätestens in den K.o.-Spielen bei der WM in Russland soll der Stürmer in Bestform sein. Sein erster Startelf-Einsatz könnte aber schon am Sonntag erfolgen.

Neymar hat alle überrascht. Vor allem seinen Trainer Tite, der „viel weniger“ von seinem Superstar erwartet hatte. Aber auch seine Teamkollegen wie Abwehrspieler Thiago Silva, der erleichtert war, dass Neymar so schnell wieder den Unterschied ausgemacht hat. Über drei Monate hatte der teuerste Fußballer der Welt vor dem Test gegen Kroatien kein Spiel mehr bestritten. Dass ihm bei seinem 45-minütigem Comeback dann gleich ein herrlicher Treffer gelang, wunderte schließlich sogar ihn selbst. „Ich bin immer noch misstrauisch, habe immer noch etwas Angst. Aber das geht Schritt für Schritt weg“, sagte der erleichterte Angreifer. Er sei mittlerweile bei 80 Prozent, meinte der Stürmer von Paris Saint-Germain. 98 Tage waren am Sonntag bis zu seiner Rückkehr auf den Platz vergangen, seit er am 25. Februar das bis dato letzte Pflichtspiel gegen Olympique Marseille machte. „Das waren drei schmerzhafte Monate“, sagte Neymar nach der Partie in Liverpool. Einer komplizierten Mittelfußverletzung waren eine Operation und die anschließende Regeneration in seiner brasilianischen Heimat gefolgt. Auf seinem Luxusanwesen in der Nähe von Rio de Janeiro war Neymar zwischenzeitlich sogar nur im Rollstuhl unterwegs. „Ich habe gelitten“, sagte er nach dem Erfolg im Testspiel gegen Kroatien. Jetzt die ersehnte Rückkehr vom Rollstuhl auf den Rasen. Nach seiner Einwechslung zur Halbzeit brauchte der Superstar 23 Minuten, um sein außergewöhnliches Können unter Beweis zu stellen. Eine Ballannahme mit links in höchstem Tempo, schnellste Bewegungen auf engstem Raum, zwei verblüffte kroatische Gegenspieler, Abschluss aus kurzer Distanz, Tor – als wäre er nie weg gewesen. „Ich bin überglücklich, wieder Fußball spielen zu können. Ich habe so lange auf diesen Moment gewartet“, sagte der Weltklasse-Stürmer. Anschließend folgten etliche Danksagungen: an seine Familie, Freunde und vor allem an Rafael Martini und Rodrigo Lasmar, den Physiotherapeuten und den Teamarzt der Seleção. Am Sonntag könnte Neymar dann erstmals wieder in der Startelf stehen. Dann bestreiten die Brasilianer ihre WM-Generalprobe in Wien gegen Österreich. Am 17. Juni steht dann das erste WM-Gruppenspiel gegen die Schweiz an, aber dann erwartet Tite Neymar noch nicht in Topform. „Er wird Schwankungen haben“, warnte der 57-Jährige. „Erst nach drei oder vier Spielen wird er wieder auf seinem normalen Level sein können.“ Das wäre dann spätestens im Achtelfinale der WM der Fall. Das soll für die Brasilianer nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zum sechsten WM-Titel sein.

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