Bockenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mit eisernem Willen: So kämpft dieser kleine Pfälzer gegen den Krebs

Spenden für eine besondere Therapie: Stumpfwaldhexen zu Besuch bei Alex. Hinter ihm steht seine Mutter Nicole Rösener, neben ihm
Spenden für eine besondere Therapie: Stumpfwaldhexen zu Besuch bei Alex. Hinter ihm steht seine Mutter Nicole Rösener, neben ihm seine Schwester Nathalie.

Kurz nach seinem ersten Schultag bekam Alex die Schockdiagnose: bösartiger Tumor zwischen Kleinhirn und Stammhirn. Mittlerweile darf seine Familie wieder hoffen.

Alles war gut, bis Alex sechs Jahre alt war. „Es begann damit, dass er Dinge doppelt sah und schließlich gar nichts mehr sehen konnte“, erinnert sich seine Mutter Nicole Rösener aus Bockenheim. Natürlich sei es ein Samstag gewesen, alle Arztpraxen geschlossen. So habe sie mit ihrem Sohn Alexander einen Notfall-Augenarzt aufgesucht, der sie sofort nach Mainz in die Klinik geschickt habe. Dort wurde bei einer MRT-Untersuchung ein walnussgroßer Tumor zwischen Kleinhirn und Stammhirn entdeckt.

Gleich montags operiert

„Dadurch dass durch den Tumor Flüssigkeit nicht richtig abfließen konnte, ist Druck entstanden, der die Doppelbilder verursachte“, erklärt die Biologin. Gleich montags wurde Alex operiert, aber nach der Narkose nicht richtig wach. „In einer erneuten MRT-Untersuchung wurde dann ein Blutgerinnsel festgestellt, das vermutlich durch die Fixierung während der Operation entstanden war – also wurde Alex in einer Not-OP das Blutgerinnsel entfernt“, erinnert sie sich. Ihr Sohn sei dann zwar richtig aufgewacht, habe aber geschielt.

„Vermutlich wurde bei der OP etwas verletzt, er muss jetzt Brille tragen“, sagt sie. Auch seine Motorik sei stark eingeschränkt gewesen, aber durch viel Übung, viel Treppensteigen und eisernen Willen habe sich Alex nach und nach mit kleinen Schritten zurück ins Leben gekämpft. Nach zwei Wochen im Krankenhaus konnte er wieder nach Hause und auch zurück in die Schule – er war erst vor wenigen Wochen eingeschult worden. „Glücklicherweise konnte Alex schon vor Schulbeginn etwas rechnen und schreiben und fand deshalb wieder gut den Anschluss in der Schule“, freut sich die Mutter.

Haarausfall wegen Bestrahlung

Da der Tumor allerdings bösartig war, sollte Alex bestrahlt werden, denn die Tumorzellen könnten sich überall hin ausbreiten. Als Begleiterscheinung fielen ihm die Haare aus – nicht einfach für ein sechsjähriges Kind. „Die Bockenheimer Grundschule ist mit Alex sehr sensibel und gut umgegangen und gemeinsam konnten wir ihm die Rückkehr in die Schule ermöglichen, sodass er den Anschluss nicht verlor“, erzählt die Mutter. Teilweise sei die Lehrerin auch nach Hause gekommen und sie selbst sei anfangs mit in der Schule dabei gewesen, um zu unterstützen.

Neben dem Haarverlust habe Alex auch massiv an Gewicht verloren. „Dann sagten uns die Ärzte in Mainz, dass sie eine Chemotherapie machen wollten, die bekanntlich nicht nur kranke, sondern auch gesunde Zellen schädigt und den Körper weiterhin schwächt“, berichtet Rösener, die als Biologin eine Doktorarbeit zum Thema Immuntherapie und in medizinischer Forschung geschrieben hat. „Nach langer Überlegung und mit meinen Vorkenntnissen haben wir uns gegen die Chemotherapie, aber für eine Therapie zur Stärkung des Immunsystems entschieden“, sagt sie.

Noch keine Erfahrungswerte

Da es bei dieser speziellen Therapie keine Erfahrungswerte für den Einsatz bei Kindern gibt, zahlt die Krankenkasse nicht. „Die Immuntherapie läuft seit Sommer 2025 und kostete uns bis Ende 2025 schon 80.000 Euro“, erzählt die Mutter. Die dendritische Zelltherapie ist eine individualisierte Immuntherapie gegen Krebs, bei der den Patienten eigene Immunzellen entnommen, im Labor mit spezifischen Tumorantigenen beladen und als Impfung injiziert werden. Dadurch soll das körpereigene Immunsystem aktiviert werden, um Tumorzellen gezielt zu bekämpfen.

„Die Behandlung wird im Immun-Onkologischen Zentrum in Köln alle sechs Wochen durchgeführt und soll bis Ende 2027 laufen“, sagt sie. Pro Behandlung fallen 7000 Euro an. „Finanziell bringt uns die Therapie für Alex an den Rand des Möglichen“, so die 41-Jährige, die deshalb über GoFund.Me einen Spendenaufruf gestartet hat. Niemals habe sie mit so einer umwerfenden Hilfsbereitschaft gerechnet, die Eltern, Freunde, Kollegen, Schüler – sie arbeitet als Lehrerin in der IGS in Grünstadt – auf die Beine gestellt hätten. Nun sind weitere 1.999,99 Euro der Stumpfwaldhexen aus Ramsen dazugekommen.

Kindliche Gedanken über den Tod

Alex ist ein aufgeweckter Junge. Er kommt gut in der zweiten Klasse mit, spielt gerne Fußball und schwimmt. Seine Therapie, für die er alle sechs Wochen nach Köln fährt, nimmt er ein bisschen wie Urlaub. Schließlich muss er dann nicht zur Schule. Überall dabei ist Bäri, sein Glücksbringer-Maskottchen – er fährt auch mit nach Köln. Was bei aller Normalität bleibt, sei die Angst. „Wenn ich im Grab liege, wird Bäri aber dreckig – Mama, ich will nicht sterben“, habe er schon gesagt. Und im Moment sieht es tatsächlich so aus, als könnte alles wieder gut werden.

Die gute Nachricht ist, dass nach MRT-Kontrolle keine weiteren Tumore und keine Metastasen mehr gefunden wurden. Rösener sagt: „Je mehr Zeit vergeht, in der das so bleibt, umso größer ist die Chance, dass Alex es schafft und den Krebs besiegen kann.“

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