Meinung
Wenn es die Pfalztram schon gäbe...
Nichts kommt so unerwartet wie eine wöchentlich erscheinende Kolumne. Das mag paradox klingen. Man sollte schließlich meinen, dass man sich an das Gewohnte gewöhnt. Aber wie beim morgendlichen Wetter erschrickt man doch jedes Mal wieder. Und genauso verlässlich schallt auch jede Woche wieder der Ausruf durchs Büro: Ach ja, die müssen wir ja noch schreiben! Nur dass bei der Kolumne die Snooze-Taste fehlt.
Erst recht gilt das, wenn die Redaktion ausgedünnt ist und man mit dem Finger nur noch auf eine einzige andere Person zeigen kann. Weil ich nicht schnell genug unzumutbare Umstände vortäuschen kann – und weil ich zugegeben auch turnusmäßig dran bin – fällt die Wahl auf mich. Und damit stehe ich unter dem Druck, ohne Thema und ohne Zeit schnell ein paar Zeilen zusammenzuschustern. Ein Blick auf die Uhr? Kurz vor knapp. Ein Blick in meinen Kopf? Gähnende Leere.
Meine Finger tippen nervös ein paar Wörter, dann muss ich los zu meinem Termin. Oder besser gesagt: zu zwei Terminen kurz hintereinander. Den ersten erreiche ich ganz leicht zu Fuß – es lebe die Großstadt mit ihren kurzen Wegen. Und wenn der Weg doch mal ein klein wenig länger ist, gibt es einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr – zumindest in der Theorie.
Der Anschlusstermin geht dann allerdings raus nach Mutterstadt. Bis dorthin reichen meine Beine nicht mehr. Weil ich relativ kurzfristig auf diesen Termin geschickt wurde – ausgedünnte Redaktion lässt grüßen –, bin ich natürlich nicht mit dem Auto, sondern mit der Bahn gekommen. Jetzt muss ich also auf den Bus ausweichen. Wenn man doch nur die Straßenbahn bis dorthin verlängern könnte…
Pfalztram im Vorgarten
Ach ja, der Termin ist übrigens die neueste Bürgerinformationsveranstaltung zur Pfalztram, diesmal in Mutterstadt. Die Verantwortlichen des Großprojekts tingeln einmal quer durch die Vorderpfalz, überall dorthin, wo die Trasse entlangführen soll. Und überall treffen sie auf dieselbe Mischung: Skepsis, Begeisterung, Stirnrunzeln. Straßenbahn schön und gut, aber muss die denn wirklich durch meinen Vorgarten fahren? Bürgerversammlungen sind ja ein bisschen wie Familienfeiern: Alle reden durcheinander, und am Ende geht jeder mit dem Gefühl nach Hause, dass die anderen keine Ahnung haben.
Wobei: Außerhalb von Ludwigshafen, wo eine Bürgerinitiative gegen das Projekt Sturm läuft, sind die Wogen ja erstaunlich glatt. In Mutterstadt gibt es keine Zwischenrufe, keine allzu erhitzten Reaktionen. Es gibt Euphorie, es gibt Zweifel, aber alles ganz gesittet – trotz Temperaturen von 30 Grad vor der Halle.
Dann ist die Veranstaltung vorbei, das Palatinum leert sich, und ich warte wieder auf den Bus. Tja, die Pfalztram gibt es noch nicht. Und selbst, wenn es gut läuft, wird es auch noch einige Jahre dauern. Dafür gibt es diese Kolumne. Und die ist sogar pünktlich erschienen – trotz aller Widrigkeiten. Mancher Verkehrsbetrieb könnte sich davon noch eine Scheibe abschneiden.