Donsieders RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Traditionsbäckerei: Nächste Generation steigt ein

Nicole Lickteig (rechts) leitet die Bäckerei ihrer Eltern und Großeltern. Mit Tochter Lea arbeitet inzwischen die vierte Generat
Nicole Lickteig (rechts) leitet die Bäckerei ihrer Eltern und Großeltern. Mit Tochter Lea arbeitet inzwischen die vierte Generation im Familienbetrieb.

Seit 1956 betreibt die Familie Lickteig ihre Bäckerei in Donsieders. Mittlerweile kümmert sich bereits die vierte Generation um Brot, Brezeln, Gebäck und Co.

Die Nächte im Leben eines Bäckers sind kurz. Das weiß Nicole Lickteig seit jüngster Kindheit aus erster Hand. Ihr Großvater Alfons gründete 1956 die Bäckerei Lickteig. Bis heute ist sie eine Institution in Donsieders. Nachdem ihre Eltern Jean-Claude und Ulla Lickteig den Familienbetrieb über Jahrzehnte fortführten, stand es für Nicole Lickteig nicht lange zur Debatte, selbst einzusteigen.

„Ich habe den Beruf von Anfang an gern gemacht – das ist bis heute so“, schwärmt Lickteig. 2007 hat sie den Betrieb von ihren Eltern übernommen und steht nach wie vor selbst in der Backstube. Und das zu Zeiten, zu denen die meisten anderen noch friedlich schlafen. „Wir fangen zwischen 3 und 4 Uhr an, samstags schon um halb drei“, erzählt die 52-Jährige.

Mit Mann und Tochter in der Backstube

Allein muss sich Nicole Lickteig aber nicht um Brote, Brezeln und Gebäck kümmern. Mit ihr in der Backstube steht ihr Mann Heiko. Er hat bei der Heirat ihren Nachnamen angenommen, um ihn für den Traditionsbetrieb zu erhalten. Das hat sich gelohnt. Lea, die älteste Tochter des Paars, ist inzwischen selbst gelernte Konditorin und fester Bestandteil des Teams. Ihre jüngere Schwester Lara (19) hat sich hingegen für eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement entschieden. Nichtsdestotrotz geht die Bäckerei in die vierte Generation. Die 22-jährige Lea hat im vergangenen Jahr geheiratet und es ihren Eltern gleichgetan: Ihr Ehemann Tobias ist nun auch ein Lickteig. Komplettiert wird das Team von drei Mitarbeiterinnen im Verkauf und einer Auszubildenden.

Dass die Bäckerei schon seit 70 Jahren besteht, sei vor allem Jean-Claude Lickteig zu verdanken, betont die aktuelle Chefin: „Mein Papa hat immer ganz viel getan. Er ist immer mit der Zeit gegangen, hat alles auf den neuesten Stand gebracht. Das ist für andere Familienbetriebe oft ein Problem.“

Dabei hatte Jean-Claude Lickteig alles andere als einen leichten Start. Sein Vater und Bäckereigründer Alfons ist bereits 1970 unerwartet verstorben. Jean-Claude musste schon mit Anfang 20 den Betrieb übernehmen. „Da hatte er seine Meisterprüfung noch gar nicht gemacht“, berichtet seine Tochter und ergänzt: „Es war wichtig, dass das alles hier erhalten bleibt, er musste sich um seine Mutter und drei jüngere Geschwister kümmern. Die ganze Familie hat ihm bis heute extrem viel zu verdanken.“

Jeden Tag ein anderes Brot

Eine Tradition, die Nicole Lickteig von ihrem Vater übernommen hat, ist die Abwechslung beim Thema Brot. „Wir haben jeden Tag eine andere Sorte“, sagt die 52-Jährige. Die Brote gibt es zudem täglich erst ab 8 Uhr, nicht schon um 5.30 Uhr, wenn das Geschäft öffnet. „Unsere Kundschaft ist es nicht anders gewohnt. Das war schon bei meinem Vater so“, ergänzt Lickteig. Die Kunden schätzen zudem die Abwechslung. Laut Nicole Lickteig ist es normal, dass manche Leute beispielsweise nur dienstags kommen, um Vollkornbrot zu kaufen. Viele andere kommen hingegen an den Donnerstagen in die Burgalber Straße, um sich einen der Verkaufsschlager der Bäckerei zu sichern. „Donnerstags gibt es immer unser Donsiederser Krustenbrot. Das ist über alle Grenzen hinaus bekannt“, sagt Lickteig mit einem Lachen.

Die Bäckerei Lickteig im Zentrum von Donsieders hat im Mai ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert.
Die Bäckerei Lickteig im Zentrum von Donsieders hat im Mai ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert.

Nicole Lickteig selbst isst im Zweifel lieber süß als herzhaft, verrät sie. „Aber ich bin schon auch eine Brotesserin“, ergänzt sie. Ob hell oder dunkel sei ihr dabei egal. „Da wird dann eben der Belag entsprechend angepasst.“

Einen klaren Favoriten im Sortiment habe sie allerdings nicht. Das gilt sowohl fürs Essen als auch fürs Backen: „Ich backe alles gleich gern – es geht ja um die Vielfalt, die den Reiz ausmacht.“ Bei allem, was im Backofen und hinter der Theke landet, ist es Nicole Lickteig wichtig, auf regionale Zutaten zu setzen. Mehl, Körner und Co. bezieht die Bäckerei von den beiden Rieschweilerer Mühlen Isemann und Sties. „Das ist schon seit Jahrzehnten so“, betont Lickteig.

Nicht jedem Trend hinterherrennen

Auch wenn Klassiker wie Brezeln, Granatsplitter und Co. in der Auslage der Lickteigs nie fehlen dürfen, verschließt sich der Familienbetrieb nicht davor, Neues auszuprobieren. „Es gibt immer mal Ideen und Trends, die wir testen. Manches davon bleibt, manches verschwindet wieder“, berichtet Lickteig. Allein durch das Internet bekomme sie rund um die Uhr etliche Inspirationen. Das heißt aber lange nicht, dass die Bäckerei Lickteig auf jeden Zug aufspringt. Ganz im Gegenteil, wie die Chefin sagt: „Mit Dubai-Schokolade-Pistazien-Croissants kann ich persönlich nicht viel anfangen. Das wäre hier den Aufwand gar nicht wert – solche Trends verschwinden meistens sowieso schnell wieder.“

Die Bäckerei genieße nach wie vor einen hohen Stellenwert in Donsieders, sagt Nicole Lickteig. „Wir haben sehr viel Stammkundschaft im Dorf und sind ein wichtiger Anlaufpunkt“, weiß die Bäckerei-Chefin. Andernorts weitere Filialen zu eröffnen, sei für die Lickteigs allerdings keine Option. „Das würde sich für uns nicht lohnen“, ist Lickteig überzeugt.

Stattdessen liegt der Fokus auf dem Service für die Menschen in Donsieders. Bis heute liefert die Bäckerei Brötchen, Zeitung, Milch, Butter und süße Teilchen bei Bedarf den Kunden nach Hause. „Es waren mal mehr, aber wir beliefern immer noch etwa 20 bis 30 Haustüren am Tag“, erzählt Lickteig.

Bei jedem Fest dabei

Dem Familienbetrieb ist es wichtig, sich im Dorf einzubringen, betont Nicole Lickteig. „Kindergartenfest, Heimatfest ... Wenn irgendetwas im Dorf ist, geht’s nicht ohne uns“, sagt sie mit einem Lachen. Dazu gehört auch das hauseigene Erbsehoffest, das die Bäckerei jährlich im Herbst veranstaltet. In diesem Jahr soll es am Sonntag, 27. September, neben frisch gebackenem Brot wieder „Grumbeerwaffle“, Flammkuchen und geräucherte Forellen geben.

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