Weisenheim am Berg
Café Solo: Neuer Besitzer wirft das Handtuch
Noch vor einem Jahr war Martin Grabenhorst voller Elan als neuer Eigentümer des Café Solo aufgetreten. „Diese Perle muss ich unbedingt haben“, war sein Wunsch gewesen, als er am Hoftor das Verkaufsschild entdeckt hatte. Jetzt sieht alles ganz anders aus: Das Café wurde nach dem Pfingstwochenende geschlossen, am 3. Juni soll dort eine neue Pächterin anfangen.
Es sei zwar schade, alles zurücklassen zu müssen. „Jedoch bedeutet das auch eine große Erleichterung für mich“, sagt der 40-Jährige. Den seit einem Jahr laufenden Mietkauf-Prozess muss er nun mit der weiter hinter dem Café Solo stehenden Gesellschaft rückabwickeln. Einen Notartermin für den Eigentümerwechsel habe es aber sowieso noch nicht gegeben, erklärt Grabenhorst. Anfang des Monats habe er beschlossen, sich vom Café Solo zu trennen. Er wolle aber Pächter des von ihm vor fünf Jahren aufgebauten Aloha Beach Clubs im Knaus Campingpark Bad Dürkheim bleiben und auch weiter seine Poolbaufirma leiten. „Das reicht eigentlich. Ich habe nicht genügend Leute, um alle drei Betriebe abzudecken“, erklärt er. Die Personalprobleme seien entscheidend gewesen, das Café aufzugeben. „Dieses Thema hat mir die ganze Zeit Kopfschmerzen bereitet.“ 20 Leute brauche er für das Café zur Hauptsaison im Sommer. Jedoch sei von den Aushilfen immer wieder jemand abgesprungen. Dadurch habe er selbst immer wieder bereitstehen müssen. „Bei drei Betrieben geht das aber nicht jeden Tag“, sagt Grabenhorst. Hinzu komme, dass das Café im Gegensatz zum Beach Club nicht als Gastrobetrieb gebaut sei. Lange Laufwege innerhalb des Gebäudes und eine schwierige Logistik mitten im Dorfzentrum hätten alles verkompliziert.
Eine zusätzliche Belastung seien ständige Reparaturarbeiten gewesen. Besonders hart getroffen habe ihn die Schließung des Pools wegen eines Totalschadens. „Man kann einfach gar nicht so viel Geld erwirtschaften, um das Gebäude instand zu setzen“, habe er feststellen müssen. Trotz aller Schwierigkeiten sei er stolz darauf, dass er es geschafft habe, im Café wieder für mehr Betrieb zu sorgen. „Die Reservierungsbücher sind gut gefüllt. Ich kann einen gut laufenden Betrieb übergeben“, versichert er. Der neuen Pächterin habe er seine Unterstützung zugesagt. Auch gehe er nicht im Streit mit der Eigentümergesellschaft auseinander. Wie viel Geld er im vergangenen Jahr in das Café investiert habe, will Grabenhorst nicht sagen. Er sei aber optimistisch, mit der GbR alles regeln zu können.
Um die vertraglichen Angelegenheiten der hinter dem Café Solo stehenden GbR kümmert sich Hans-Joachim Fischer. Der frühere Nachbar der Familie unterstützt damit die beiden Söhne, deren Vater vor drei Jahren in die Türkei geflüchtet ist. Der ehemalige Wirt des Cafés soll im Sommer 2023 den illegal dort beschäftigten Koch aus Peru erwürgt haben. Seitdem wird der Verdächtige mit internationalem Haftbefehl gesucht. Das Landgericht Frankenthal hatte das Vermögen des Wirts beschlagnahmt, um ihn zur Rückkehr nach Deutschland zu bewegen. Der Wirt war zur Hälfte Eigentümer des Cafés. Die andere Hälfte wird von der GbR gehalten. Zu jeweils 47 Prozent gehört das Geschäftsvermögen den beiden Söhnen, sechs Prozent hält der frühere Nachbar Hans-Joachim Fischer. Der 76-jährige Nervenarzt wechselte von der Klinik in die Pharmazie, war unter anderem als Direktor bei Abbot beschäftigt und ist inzwischen Coach und Hypnosetherapeut. In Weisenheim am Berg war er Ratsmitglied und Vorsitzender der örtlichen CDU.
Geschichte des Cafés „kein Handicap mehr“
Fischer erklärt, er habe vor Kurzem den Vertrag für die neue Pächterin Tatjana Musielak aufgesetzt. Dabei handele es sich um die Tochter einer Mitarbeiterin des Solo Shops auf dem Café-Gelände. Sie kenne das Café noch von früher. „Sie will ihm wieder mehr mediterranes Flair einhauchen“, weiß Fischer. Die Geschichte rund um das Café sei inzwischen „kein Handicap mehr“, insofern habe die neue Pächterin jetzt auch bessere Voraussetzungen. „Das interessiert keinen mehr“, ist Fischer überzeugt.
Zunächst wolle die GbR den Pool, in dem Rohre geplatzt seien, so schnell wie möglich wieder instand setzen. Dies werde voraussichtlich noch zwei bis drei Wochen dauern. Das Café soll trotzdem bereits am 3. Juni wieder öffnen. Derzeit wird auch über die sozialen Medien neues Personal gesucht. Musielak sei zuvor bereits an einer Pacht interessiert gewesen, wegen seines Kaufinteresses habe man aber Grabenhorst diese Möglichkeit einräumen wollen, erläutert Fischer. Dieser habe „seine Kräfte überschätzt“ und mit großen Personalproblemen zu kämpfen gehabt.
Die neue Pächterin ist 28 Jahre alt und besitzt ein Kosmetikstudio in Ludwigshafen. Sie hat laut Fischer früher in der Gastronomie gearbeitet. Weil sie über ein „großes Netzwerk“ verfüge, sei er optimistisch, dass Musielak die personellen Herausforderungen stemmen könne. Die GbR, die 2018 gegründet worden sei, wolle das denkmalgeschützte Gebäude des Cafés erhalten, bekräftigt Fischer. Ein Verkauf sei bis auf Weiteres nicht angedacht.
Gäste werden trotzdem versorgt
Anna Plutta, Besitzerin des Annahofes gleich neben dem Café, stellt auch der neuen Pächterin ihre Küche zur Nutzung zur Verfügung. Plutta erzählt, dass sie in den vergangenen Tagen bereits eingesprungen sei, weil die neue Pächterin im Mai noch keine Ausschanklizenz besitze. „Immer wieder kamen Leute und wollten im eigentlich geschlossenen Café etwas trinken“, erzählt Plutta. Daraufhin habe sie den Gästen ihre Selbstbedienungsbar und ihren Hof zur Verfügung gestellt.