Neustadt
Woran die Wärmewende in Neustadt hakt
Zweimal im Jahr lädt die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (WEG) Unternehmensvertreter zum Neustadter Wirtschaftsfrühstück in den Saalbau. Dabei geht es ums Netzwerken, aber die Gäste erhalten immer auch inhaltliche Impulse. Bei der Ausgabe am Mittwochvormittag stand die Kommunale Wärmeplanung im Vordergrund, ein offenbar für die Unternehmer wichtiges Thema, denn es waren mehrere Dutzend gekommen.
Marcel Schwill, der in der Neustadter Verwaltung die Stabsstelle Klimaschutz, Klimaanpassung und nachhaltige Entwicklung leitet, stellte den Wärmeplan in seinen Grundzügen vor, der Ende vergangenen Jahres vom Stadtrat verabschiedet wurde und ein strategisches Instrument ist, wie Schwill sagte. Darin heißt es, dass auf dem Weg zur Klimaneutralität im Jahr 2040 in mehr als der Hälfte der Stadt sich Bürger und kleine Gewerbe selbst um ihre Wärmeversorgung kümmern müssen, etwa über Wärmepumpen. Denn ein Wärmenetz sei dort technisch oder wirtschaftlich nicht umsetzbar. Zwölf Prozent des Stadtgebiets wurden als Prüfgebiete eingestuft, in denen grundsätzlich beide Varianten möglich erscheinen. In einem guten Drittel Neustadts wiederum wären Wärmenetze demnach effizient und wirtschaftlich möglich. Das gilt insbesondere für die dicht besiedelte Innenstadt, zumal dort der flächendeckende Einsatz von Wärmepumpen aus Platz- und Schallschutzgründen nicht möglich sei.
Wärmewende „mit Augenmaß“
Nun ist das aber erst mal nur ein Plan. Die Umsetzung wiederum werde „mit Augenmaß“ vorangetrieben, sagte die zuständige Beigeordnete Johanne Kunzendorff (FWG). Sie wisse, dass noch viele Dinge offen seien, die Unternehmen sich in Sachen Energieversorgung aber Planungssicherheit wünschten. Aber auch die Stadt sei mit Unklarheiten konfrontiert. So sei offen, ob und wie sich die Rahmenbedingungen veränderten, sagte sie mit Blick auf Fördermittel und gesetzliche Regelungen. Die schwarz-rote Koalition im Bund plant hier ja Änderungen. So lange man nicht wisse, was demnächst gelte, sei man vorsichtig. „Auch wir in der Stadt haben hier eine hohe Unsicherheit“, sagte Kunzendorff. Hinzu komme, dass noch nicht klar sei, aus welchen Wärmequellen die Energie in Neustadt künftig gewonnen werde. Schwill nannte als Optionen die Freiflächen-Solarthermie, wobei deren Flächenverbrauch wohl zu hoch sei. Bleibe noch die Tiefengeothermie. Entschieden sei aber noch nichts.
Kunzendorff bekräftigte, die Wärmewende umsetzen zu wollen. Es gehe hier um Klimaschutz. Wichtiger sei für sie aber, dass man sich damit unabhängiger machen könne – von schwankenden Energiepreisen und Krisen in der Welt. Damit die Transformation gelinge, brauche man auch die Unternehmen, wandte sie sich an die Wirtschaftsvertreter. Hilfreich sei, wenn diese ihre Hallen mit Photovoltaik-Modulen bestückten oder beim Austausch des Heizungssystems eine nachhaltige Lösung wählten.
Fernwärme in der Innenstadt?
Bei der von WEG-Geschäftsführerin Karin Henneke moderierten Fragerunde erkundigte sich Andreas Speckert, der in der Friedrichstraße ein Geschäft für Hörakustik betreibt, nach den Fernwärmeplänen für die Innenstadt. Große Teile der Fußgängerzone seien ja neu gemacht worden, aber Fernwärmeleitungen seien nicht verlegt worden, sagte Speckert. Das bestätigte Dennis Fitzek von den Stadtwerken. Es gebe keine Fördermittel für Fernwärmerohre, wenn diese nicht direkt angeschlossen würden. Er und Schwill erklärten weiter, dass es eben noch viele Unklarheiten gebe, etwa woher die Wärme komme. Daher stehe der Leitungsausbau ohnehin erst in zehn bis 15 Jahren an.
Carolin Lepiarz von den Stadtwerken wollte die Teilnehmer von den Vorteilen von PV-Modulen überzeugen. Angesichts stark schwankender Strompreise und Fragen der Versorgungssicherheit sei die Energieversorgung zum strategischen Thema für die Unternehmen geworden. Angesichts gesunkener und womöglich weiter sinkender Einspeisevergütung sei es vor allem dann wirtschaftlich, wenn man viel selbst verbrauche. Dann könne man stark sparen. Sie präsentierte eine Beispielrechnung, in der sich die PV-Anlage nach neun Jahren amortisierte, bei einer Lebensdauer der Module von 30 Jahren. Ähnliche Modellrechnungen zeigte auch Wolfgang Müller vom Solar-Info-Zentrum. Er wies zudem darauf hin, dass Unternehmer ihre Hallendächer auch Investoren zur Verfügung stellen könnten, die dann die PV-Anlage finanzierten.